Cacher wie Du und ich.

Jeder so wie er will und alle etwas verrückt oder?

 

Jeder von uns hat eine eigene, individuelle Geschichte und auch jeder hat seine eigene Art dieses Hobby für sich auszuleben. Wie dies geschieht, kann höchst unterschiedlich sein. Am Ende suchen wir neben dem Abenteuer in den verschiedensten Umgebungen und in der Natur, nach dem gewissen “Kick“ in der Freizeit, der Bestätigung durch die Community oder einfach nach Herausvorderungen und Spaß. Der eine mehr der andere weniger.

Letztlich suchen wir aber alle nach einer Dose oder dem Punkt.

Eigentlich hatten wir vor, über die Unterschiede zwischen Statistikcachern auf der einen Seite und qualitätsliebenden Gelegenheitscachern auf der anderen Seite zu schreiben. Immer wieder treffen diese beiden und wahrscheinlich etliche Untergruppen aufeinander und es führt zu Diskusionen. Jeder ist davon überzeugt, dass seine Art zu Cachen die einzig Richtige ist. Die einen nehmen mehr Rücksicht, die anderen weniger. Manche geben sich Mühe z. B. beim Loggen, die anderen eben nicht. Die Gründe warum die einen dies und die anderen das tun, sind so individuell wie die Menschen selbst.

Wir nehmen es vornweg, aus unserem Ursprünglichen Plan die Unterschiede herauszuarbeiten ist nichts geworden.

Wir haben einmal mehr festgestellt, dass es rein gar nichts bringt, in Schubladen zu denken und Menschen zu bewerten und zu beurteilen. Schon deshalb nicht, weil man sie eigentlich nur durch Logeinträge oder deren Funde beurteilt, ohne sie jedoch näher zu kennen. Wer sich die Mühe macht, jemanden aufgrund seines ersten Eindrucks anzusprechen und zu hinterfragen, wird überrascht sein wie schnell sich ein vorschnell getroffener Eindruck ändert.

 

Für unser ursprüngliches Vorhaben, fassten wir nicht ganz ohne Vorurteile, DukeSniper ins Auge. Er war für uns der typische Statistikcacher, jedenfalls auf den ersten Blick.

Zunächst schrieben wir ihn an, weil er uns als einer der Owner von “Wer weiß denn sowas Caches“ im Raum Frankfurt und einem, von ihm organisierten, doch eher statistischen Event aufgefallen war. Wir hatten aber auch vorher schon Kontakt zu ihm. Erstmals beim Event am See 2014. Hier ist er uns aufgefallen, weil er nicht nur groß ist und scheinbar gut bekannt unter den anwesenden Cachern, auch seine für unsere damaligen Begriffe, sehr auffällige Kleidung sprang uns ins Auge. Arbeitshosen eines bekannten Herstellers, mit Vogel im Logo, Petlinge und Karabiner am Gürtel und dies auf einem Event, fanden wir damals zumindest ungewöhnlich.

 

Auch als wir 2016 zusammen mit befreundeten Cachern das T5 Event in Erzhausen organisiert haben, war DukeSniper anwesend und demonstrierte eindrucksvoll seine Kletterbegabung. Hierbei erblickten wir erstmals auch seine Tätowierung, welche er am Arm trägt.

 

 

Nun, er war für uns erst einmal der Inbegriff für jemanden, der unser gemeinsames Hobby eben sehr extrem auslebt und bei einem Blick in seine GC Statistik war das Bild perfekt. Dieser DukeSniper war für uns der perfekte Statistiker und scheinbar auch "verrückt" genug dieses extrem selbstbewusst zu vertreten.

 

Doch dann schrieb ich ihn an und kurz darauf telefonierten wir sogar. Ich war zunächst überrascht, von der offenen Art und dem wirklich angenehmen Gespräch, in dem auch kritische Fragen gestellt wurden. Er bestätigte so garnicht unseren ersten Eindruck. Wir verblieben so, dass ich ihm ein paar Fragen zukommen lassen würde, und wir dann mal sehen, ob das irgendwie passen könnte.

 

Einige Zeit später trafen wir ihn auf einem kleinen Event und kurz darauf, hörten wir in einem Podcast von ihm. Hier wurde er genannt, weil er einem Großevent zu einem sehr einprägsamen GC-Code verholfen hat. (GC77777)

 

Er beantwortete unsere Fragen und zeigte sich unserer Meinung nach, als ein zwar etwas extremer aber eben auch interessanter und vor allen Dingen sehr sympatischer Geocacher, der sein Hobby so auslebt, wie er es für sich vertreten kann und mag. Gespannt waren wir, als Lutz uns seine Antworten hat zukommen lassen und wir etwas hinter die Fassade schauen durften.

 

Das Interview hat deutlich gemacht, dass Lutz eine gewisse Entwicklung durchgemacht hat. Genauso wie viele andere Cacher auch. Es wird eben niemand als „Proficacher“ geboren. Eine krasse Unterscheidung, von reinen Statistikcachern und Genußcachern ist demnach nicht möglich, weil jeder von uns irgendwann einmal und gerade am Anfang seiner Cacherkarriere eine gewisse Statistik bedient hat und genauso haben die Leute Spaß an schönen Dosen. Das Spiel, spielt eben jeder wie er mag und wenn wir alle etwas über den Tellerrand schauen, bleibt es ein tolles Spiel.

 

lieber Lutz, danke für deine Mühe!

 

Hier also das Interview mit DukeSniper.


Sag uns doch mal kurz wie du zum Geocachen gekommen bist?

Angefangen hat bei mir alles am 13. Januar 2013 mit dem "Waldcache" (GC2Q4KA), als ich mit meiner Tochter bei meinem Bruder und meiner Schwägerin Melly139 zu Besuch war. Da meine Laune aufgrund eines gerade aufkeimenden Sorgerechtsstreits nicht die Beste war, hatten die beiden vorgeschlagen, dass wir ein wenig im Wald "spazieren gehen". Unterwegs hat man dann meiner Tochter erklärt, dass wir einen Schatz suchen gehen. Und der Eifer beim Suchen und das Leuchten in ihren Augen, als sie den Schatz dann gefunden hatte, war für mich ausschlaggebend, mir einen eigenen Account zuzulegen, damit ich mit ihr eben öfter mal "nen Schatz suchen" könnte.

 

Was war deine damalige Motivation zum Dosen suchen?

Im Grunde genommen hatte ich einfach nur zu viel Zeit und zu viele negative Gedanken. Das Laufen und Suchen hat sehr geholfen, einfach mal an nichts zu denken und den Kopf frei zu kriegen. Und daraus wurde irgendwie eine nicht zu unterschätzende Sucht, bei der es fast 2 Jahre gedauert hat, sie unter Kontrolle zu kriegen.

 

Du hast eine TB-Tätowierung auf dem Arm, das ist ja nicht gerade häufig. Was war der auslösende Gedanke, der zu diesem TB auf dem Arm geführt hat?

Ist gar nicht so einfach, das wieder aus dem Gedächtnis zu kramen... Ich glaube, das erste Mal so wirklich darüber nachgedacht habe ich beim Towel Day 2013 (GC46349) in einem Gespräch mit der "Fassenachterin" Tanja. Der Grundgedanke war, dass man ja Trackables wie Dog Tags, Shirts, Basecaps und Co. vergessen könnte, ein Tattoo jedoch immer am Mann hätte. Und als Tanja mir von dem speziellen Icon erzählt hat, festigte sich so langsam die Idee, dass ich das machen würde. Zuerst war die Überlegung, den TB in den Nacken zu tätowieren, aber das hab ich recht schnell wieder verworfen, da ich mir dachte, dass es vielleicht nicht die beste Idee ist, in Deutschland mit nem Strichcode im Nacken rumzurennen. Und auch das discovern würde jedes Mal ein Akt werden. Aber nach einer Weile kam dann die Idee des rechten Unterarms, denn das wäre die sicherste Location, damit er bei einer Begrüßung mit Handschlag auffällt. Und am 29.11.2013, dem Tag unseres Einsatzes bei 24 (GC1AGHB), hab ich dann früh morgens noch eine Termin im Tattoostudio gekriegt, um den frischen TB als Überraschung dem Team präsentieren zu können.

 

Kann man dich als Vollblutcacher aus Leidenschaft bezeichnen?

Ich denke schon, auch wenn ich es in den letzten zwei Jahren eher ruhiger angehe. Aber ich sehe in mir ganz klar die typischen Cacher-Klischees wie Wegbeschreibungen mittels GC-Codes und mentale Beurteilung jeder Location auf "Dosentauglichkeit" bestätigt.

 

Du engagierst dich ja auch in der Community, was sind hierbei deine Aufgaben und Ziele?

Ich versuche mich für einen friedlichen und freundlichen Umgang untereinander einzusetzen und wo nötig auch Schlichtungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten bzw. zwischen verschiedenen Stellen zu vermitteln. Insbesondere unangebrachtes Reviewer-Bashing und "Wie umgehe ich am besten die blöden Guidelines? Die braucht eh kein Mensch" sind Themen, bei denen ich mich häufiger in Diskussionen wiederfinde. Mein liebstes Lieblingsthema war bisher aber immer "Den Baum stört der Alu-Nagel nicht, warum ist das dann verboten?". Außerdem bin ich seit nun etwas über zwei Jahren im Vorstand des Geocaching Rhein Main e.V. vertreten, der primär als Schnittstelle für Behörden, Förster und Grundbesitzer in der Region zu Cachern und Reviewern dienen soll.

 

Was hat dir zu deinen damaligen Statistikzeiten die GC-Statistik bedeutet und welche Ziele waren dir hierbei wichtig?

Eines meiner großen Ziele war, Project 81 (GC1KJX4) als Milestone 500 loggen zu können, was ich ja auch geschafft habe. Durch die "31 days of August"-Souvenirs hatte ich plötzlich an 31 aufeinanderfolgenden Tagen Funde und damit meine erste "ernsthafte" Strähne. Als ich dann eine "100 Tage Tradis"-Challenge entdeckt hatte, die aber leider leider kurz vor meiner Erfüllung archiviert wurde (Danke für nichts, Robert ☺) hab ich mich an die Erfüllung eben jener gemacht, und das "Daily Cacher"-Badge hat dann den Ansporn für die 365 Tage am Stück gegeben. Und ab da hieß es dann "mal schauen, wie weit das geht..."

 

War das Erreichen von Challenges wichtig für Dich?

Jein. Es gibt einige wenige Challenges, die ich interessant finde, die haben fast alle mit dem Finden von Caches mit bestimmten (aber pro Fund unterschiedlichen) Merkmalen, die sich in einer Matrix abbilden lassen, zu tun. Aber die meisten Challenges, die ich bisher gesehen habe, basieren im Grunde auf (meist unrealistisch hohen) Anzahlen von Funden, und das empfinde ich als unnötigen Schwanzvergleich. Die 100 Tage Tradis am Stück bzw. dann die 365 Tage klangen nach "mit ein wenig Planung und Durchhaltevermögen machbar" (es wurden am Ende ja auch 424 Tage), und "Project 81" fand ich insofern interessant, als das ich ja nur bei der Auswahl der Caches ein wenig genauer schauen musste, dass sie offene Matrix-Felder füllen. Aktuell fallen mir außer GC456JA und GC5NM8X auch keine weiteren Challenges ein, an deren Erfüllung ich interessiert wäre.

 

Du hast ja mit relativ wenigen gefundenen Caches schon die einschlägigen Tabellen auf der GC Seite gefüllt. Hattest du dein Cacheverhalten auf die Erfüllung der Matrix ausgerichtet?

Ab etwa Ende Juli 2013 definitiv, das zeigt sich auch in der Statistik-Seite von Project-GC recht gut, denn obwohl die Matrix immer voller wurde, wurden die zeitlichen Abstände zwischen den jeweils neu hinzugekommenen D/T-Wertungen recht schnell kürzer, weil ich immer gezielter auf Matrix-Touren gegangen bin. Um möglichst effizient zu sein, war da meist einiges an planerischer Vorarbeit erfolgt, um möglichst viele Löcher in der Matrix mit möglichst wenig gefahrenen Touren zu erledigen, und trotz gelegentlicher DNFs nie komplett leer auszugehen.

 

Wie würdest du dein damaliges Cacheverhalten beschreiben?

Krank, fixiert, ungesund :)

 

In wie weit trifft dieses Verhalten heute noch auf dich zu?

Wie man an meiner Statistik sehen kann, bin ich nach dem Abbruch meiner Daily Streak im September 2014 ruhiger geworden. Die Luft war nach über 400 Tagen selbstauferlegtem Druck einfach raus, und mir hat die Dosenjagd zu dieser Zeit auch keinen wirklichen Spaß mehr gemacht. Nach ein paar Tagen Ruhe war dann auch die nötige Distanz da, um alles mal nüchtern zu betrachten. Seit diesem Moment, wo ich mich aus diesem extrem zwanghaften Verhalten befreit habe, macht mir Geocaching auch wieder Spaß. Aber ich habe gelernt, dass ich das Geocaching nach meinem Leben ausrichten kann, statt wie damals mein Leben am Geocaching auszurichten. Ich freue mich über Events, wenn sie in meinen Kalender passen, bin aber auch nicht traurig, wenn ich mal eins verpasse. An neuen Locations wird zwar auch heute noch grundsätzlich ne Umkreissuche gemacht, aber wenn nur unspektakuläre Tradis rumliegen oder die Zeit zu knapp ist, wird das halt vermerkt unter "vielleicht beim nächsten mal". Auch DNFs stecke ich inzwischen weit besser weg. Und als begeisterter Kletterer bin ich inzwischen an so einigen T5ern mehr als nur ein- oder zweimal gewesen, einfach um anderen zu ermöglichen, auch mal zu klettern.

 

Hat sich deine Einstellung zum Cachen verändert und wenn ja wie?

Ja, ganz klar. Ich habe erkannt, dass ich das Hobby für mich mache, nicht für andere. Von daher brauche ich meine Leistungen auch nicht mit anderen vergleichen, ergo ist meine Statistik lediglich an den Stellen interessant, an denen ich als Freund der Zahlenspiele etwas für mich Besonderes erreichen kann, so wie vor einiger Zeit mit GC71717

 

Was ist dir heute besonders wichtig beim Cachen?

Spaß an der Freude. Ne kleine Tupperdose an ner schönen Location ist mir dabei lieber als ne spektakuläre Dose an ner öden Location.

 

Wenn du die Entwicklung des Geocachens in den letzten Jahren betrachtest, was ist dir besonders aufgefallen?

Dass der Trend zu sehr in Richtung aufwändiger Dosen geht, bei denen die Owner mehr gefeiert werden als unser Spielfeld, die Natur. Und dass es leider immer mehr Idioten gibt, die mit ihrem rücksichtslosen Verhalten dafür sorgen, dass Geocaching einen immer schlechteren Ruf kriegt. Obwohl eigentlich die Masse der Geocacher ganz anders drauf ist und die Natur respektiert, was die vielen CITOs und beispielsweise der Erfolg der Pojekte Taschen-CITO und Green Smiley ja eindrucksvoll belegt.

 

Geht der Trend aus deiner Sicht mehr in Richtung weniger ist mehr bzw. Genusscachen oder denkst Du, dass in Zukunft die Statistik im Vordergrund stehen wird?

Ich glaube, dass fast jeder irgendwann einmal eine mehr oder weniger ausgeprägte "Statistik-Phase" hat. Aber die meisten fallen vermutlich über kurz oder lang davon wieder ab und hören entweder ganz auf oder werden zum Genusscacher. Wobei Groundspeak ja leider seit ein paar Jahren sehr gern selbst den Statistik-Wahn mit ihren absolut unnötigen und inflationär vergebenen Motto-Souvenirs am Leben hält.

 

Hat es etwas mit der Geocacher-Karriere zu tun ob man Statistiker ist oder Genusscacher? Also nach dem Motto am Anfang Statistik um etwas vorweisen zu können und später Genuss, weil es dann nicht mehr wichtig ist, Punkte zu hamstern.

Ich denke schon. So war es zumindest bei mir und vielen anderen, die ich kennen gelernt habe. Interessanterweise habe ich nicht einen bekennenden Extrem-Statistiker in meinem engeren Bekanntenkreis.

 

Du bist auch auf facebook vertreten und beteiligst dich an Diskussionen, Fragen und Beiträgen.

Wie würdest du den Umgang unter den Cachern im Internet beschreiben und in wie weit unterscheidet sich dieser mit dem im wahren Leben z.B. auf Stammtischen?

Im Internet gibt es offenbar nur "absolute Wahrheiten", und jeder ist der Meinung, dass nur er selbst eben diese kennt. Soziale Umgangsformen sind eher selten, obwohl es im realen Leben, z.B. auf Events, selten so hitzig wird wie auf FB. Was eigentlich sehr schade ist, da im Grunde jede anfangs recht konstruktive Diskussion, aus der man vielleicht für sich selbst brauchbare Erkenntnisse - und sei es nur die Sichtweise eines Anderen - gewinnen könnte, nach spätestens drei Stunden in mindestens einem Thread in eine Ansammlung wüster Beschimpfungen eskaliert. Aus diesem Grund bin ich auch vorerst aus den größeren Geocaching-Gruppen auf FB ausgetreten.