Warum Geocachen nur bedingt Kinder tauglich ist.

Gerade diese Tage waren wir mal wieder mit einem befreundeten Cacher unterwegs zu einem doch seltener werdenden Multi im Wald. Die Vorfreude war zunächst wirklich groß, wo doch im Listing des Caches stand, dass er Kinder tauglich sei. Da können Attribute ja eine echte Hilfe zur Orientierung sein. Geocachen ist ja auch ein "familienfreundliches" Hobby und so ist Kinderfreundlich als Attribut eine klare Aussage, so könnte man meinen.

Doch Vorsicht, der Teufel steckt im Detail.

 

Unser kleines Blümchen ist gerade eineinhalb Jahre alt, kann Laufen und möchte dies auf kurzen Strecken auch tun. Jetzt kann sich sicherlich jeder vorstellen, dass die kurzen Kinderbeinchen nicht so schnell im Wald unterwegs sind wie die der Erwachsenen. Laufen ist also nur bedingt möglich, wenn man sein Ziel auch nur ansatzweise in der vorgegebenen Zeit schaffen möchte. Der Kinderwagen, welcher durchaus Geländeerprobt ist, muss also doch noch mit um dem Nachwuchs auch die Chance zu geben sich zwischendurch auszuruhen und seinen Mittagsschlaf fahrender weise zu genießen. So der Plan.

Leider sieht die Realität oft anders aus. Wege sind nicht mal ansatzweise Kinderwagen tauglich, von Bäumen so sehr versperrt, dass auch normale Fußgänger schon das Klettern beginnen müssen und extra ausgewiesene Reitwege, die auch als solche genutzt werden sorgen auch nicht dafür, dass es mit dem Kinderwagen eine Freude wäre diesen Cache zu begehen. Mal davon abgesehen, dass auch normale Spaziergänger auf solchen Reitwegen bei Reitern nicht gerne gesehen sind. Pferde können ja durchaus schreckhaft sein. Nun ist kein Owner Hellseher und weiß welcher Baum nach einem Sturm nun gerade seinen Weg versperrt. Aber weiche, täglich genutzte und ausgetretene Reitwege sind nun mal nur schwer mit dem Kinderwagen machbar. Man merke jedenfalls, Kinder tauglich heißt noch lange nicht Kinderwagen geeignet. Es sind ja auch verschiedene Attribute. Wobei das Attribut des durchgestrichenen Kinderwagen vermutlich bei einem Cache, der "für Kinder empfohlen" ausweist, wohl für den Owner doof ausgesehen hat oder nicht passend war. Ich habe keine Ahnung warum man dieses Attribut nicht einfach setzt, wenn es nun mal so ist. Gerade bei einem Cache der als "für Kinder empfohlen" deklariert ist. Man muss als Geocacher einfach davon ausgehen, dass das nicht vorhanden sein eines Attributes eben auch keine Aussage beinhaltet. Das man nun auf "gut Glück" loszieht ist immer ein Risiko, welchem wir uns auch durchaus bewusst sind.

 

Aber wir sind ja flexibel und lassen uns so schnell nicht einschüchtern, obwohl die Laune bei solchen Dämpfern schon mal etwas leidet.


Wir hatten jedenfalls auch noch eine Kindertrage dabei, welche es uns nun ermöglicht, den Nachwuchs bequem zu tragen. Schöne Sache! Jedoch sollte man bedenken, dass auch kleinen Kindern mit der Zeit schlicht langweilig wird und sie dann das Quengeln anfangen. Erwachsene neigen nämlich dazu, beim gemeinschaftlichen Rätseln zu übersehen, dass kleinen Kindern diese Rätsel schlicht am allerwertesten vorbei gehen. Sie haben schlicht andere Bedürfnisse. Sie wollen sich eben auch mal bewegen. Irgendwie verständlich. Mehrere Stunden in einer engen Trage, ohne wirkliche Beschäftigung, das macht nicht jedes Kind lange mit. Der Spaß am Cachen kann durch solche Einflüsse jedenfalls schon mal leiden. Zudem wollen alle anderen Cacher, die eben nicht auf den Nachwuchs achten müssen auch irgendwie vorankommen. Man hat schließlich ein Ziel vor Augen. Auch ist der Kinderträger bei der Suche nach Dosen im Unterholz nicht wirklich hilfreich, er hat nämlich keine Lust mit dem Kind durchs Gestrüpp zu klettern, ihm Äste durchs Gesicht zu ziehen oder das Risiko eines Sturzes im Unterholz zu riskieren, weil dem Owner der Dose, Verstecke direkt am Wegesrand zu unsicher waren. Alles in allem kommt man sich mit einem kleinen Kind beim Cachen irgendwie gehemmt vor und durch die immer schlechter werdende Laune des Nachwuchses, dessen Trägers und allen anderen Beteiligten aufgrund der vorherrschenden Grundbelastung und Unentspanntheit, kann ein 3,5 Stunden Multi zur echten Belastungsprobe für alle Beteiligten werden. Hinzu kommt wenigstens bei mir das schlechte Gewissen, dem Kind mit solch einer Aktion keinen Gefallen zu tun. Unser Ausflug endete jedenfalls nach knapp 1,5 Stunden damit, dass der Cache von uns abgebrochen wurde und die beteiligten kinderlosen Cacher noch am selben Tag beschlossen, mit nicht familiengebundener Bremse und schlechter Laune ein anderes Team zusammenzustellen, um diesen Cache noch am gleichen Tag mit guter Laune und viel Teamgeist anderweitig zu beenden. Das hinterlässt bei uns als gefühltem Störfaktor auch irgendwie einen fahlen Beigeschmack, wenngleich es durchaus verständlich ist, dass Leute ohne Handicap ihr Ziel dennoch erreichen wollen und Spaß am Cachen haben. Dieser ist uns jedenfalls aus mehrerlei Gründen verwehrt geblieben.

Unser Fazit aus dieser Erfahrung ist jedenfalls eindeutig.

 

Wir werden auf solche Ausflüge zukünftig verzichten um uns und den anderen Cachern erstens nicht den Spaß zu nehmen und was noch viel wichtiger ist, um unseren Nachwuchs nicht mit Langeweile oder dem Verhindern von Bewegung aus Zeitmangel und Cacherinteressen zu quälen. Man sollte einfach wissen, was einem wichtiger ist. In unserem Fall ist dies der Familienfrieden und das Glück unseres kleinen Blümchens. Geocachen wird wohl in der nächsten Zukunft um einiges mehr in den Hintergrund treten, wenn nicht klar ist, dass es sich wirklich um einen Cache handelt, der mit dem Nachwuchs problemlos zu bewältigen ist. Wir werden zukünftig keine Dosen aufkosten unserer Laune und dem Wohl unseres Kindes suchen. Wer das nicht akzeptieren will oder kann, auf den müssen wir dann wohl verzichten. Man kann schließlich auch ohne Geocachen Spaß an der Freizeit haben.

Was soll's, uns ist das Glück unseres Kindes und unser Spaß an fröhlicher Freizeit aller beteiligten jedenfalls mehr wert als abgeschlossene Multis und/oder Punkte.

Happy Caching Die Blümchen

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Kommentare: 1
  • #1

    palk (Montag, 07 Mai 2018 07:41)

    Die Attribute werden, leider, viel zu stiefmütterlich behandelt, sowohl von Geocachern als auch von Groundspeak. Das sieht man schon daran, wenn man die Hinweise zur Vergabe derselbigen mit zum Beispiel der Akribie und Hilfestellungen bei der Schwierigkeits-/Terrainwertung oder der Dosengrösse betrachtet. Dort gibt es viele "Hilfsangebote", Tabellen, etc pp. mit deren Hilfe man dort "genau" definieren kann, was man als Owner einzustellen hat. So eine Diskussion findet bei den Attributen selten bis gar nicht statt. Und ich fang jetzt gar nicht mal damit an, zu erklären, dass die Attribute (gefühlt) noch weniger von den Suchern gelesen werden wie das Listing...
    Bei uns in der Gegend hat es sich eingebürgert, und ich finde, wir fahren damit sehr gut, in den Cachenamen "kindertauglich" oder "Kindercache" einzufügen.
    Was das nun allerdings bedeutet, ob ich nun kilometerweit den Kinderwagen mit Kleinkind/Baby auf nem asphaltierten Fahrradweg schieben kann, die Vor-Ort-Rätsel thematisch an Kindergartenkindern orientiert sind oder, ganz ketzerisch, der Zugang zum alten Bergwerk so klein ist, dass man nur sein Kind reinschieben kann, das muss jeder Owner eines Caches selbst definieren und der Sucher aus Listing, mit Hilfe der Vorlogs oder durch Nachfrage bei den Vorfindern, selber rausfinden.

    LG,
    palk. :)