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Vergissmeinnicht ein Cache von DiePastorentöchter und ein Interview

Vergissmeinnicht GC6Z4NP

Ein Ausnahmecache, der gefragteste Cache Deutschlands, die verdoste Qualität, ein multimediales Geocaching Erlebnis und das Ganze ist für die nächsten Jahre absolut ausgebucht. Unfassbar und unglaublich erfolgreich. Wir hatten das Glück, nicht nur zum Spielen dieses Caches, sondern auch weil wir ganz viele Fragen in einem unglaublich sympathischen Interview stellen durften. Was wir erlebt und gefragt haben könnt ihr in diesem Artikel erfahren. Wir waren nicht nur begeistert sondern wirklich tief beeindruckt. Das war ein grandioses Erlebnis.

Zunächst hatten wir schon vor einiger Zeit versucht Kontakt mit den Ownern aufzunehmen und nach einem Interviewtermin gefragt... keine Antwort. Ja klar, steht ja auch auf der GC-Profilseite, wir hatten zu diesem Zeitpunkt nämlich auch noch keinen Termin und Terminanfragen werden grundsätzlich nicht beantwortet. Auch nicht bei Bloggern. Sehr sympathisch und vor allem konsequent. Da könnte ja jeder kommen.👍🏻

Nur einige Zeit später konnten wir den dienstags Termin am 04.02. von Lupo erben und bei dieser Gelegenheit haben wir keine Sekunde gezögert. Fehlte nur noch eine Teambegleitung und diese war mit silkeundmichael beim ersten Anruf sofort gefunden. Die beiden sagten direkt zu und wir freuten uns ganz besonders darüber. Unsere Tour konnte also starten.

Nun wollten wir aber auch noch ein Interview und sendeten eine weitere Anfrage per Mail mit dem Betreff: "Fragen zu eurem Cache, kein Terminwunsch und keine Sonderbehandlung!!!"
Siehe da, eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten und wir verabredeten uns an der Lokation. Wir waren sehr gespannt.

Wir fuhren am Vorabend von Darmstadt nach Osnabrück und übernachteten vor Ort in einem Hotel um am Dienstagmorgen an die Startkoordinaten zu fahren und diesen Cache ohne vorherigen Stau und dann mit Termindruck anzugehen. Wir wollten genießen. Beim vorab Blick auf die Karte kann man schon erahnen das es sich hier um ein Gebäude handelt, aber was einem geboten wird, ist einsame Spitze und strotzt vor Kreativität und Einfallsreichtum. Alles, was man nun schreiben würde und hier öffentlich bekannt macht, ist letztlich gespoilert. Einzig dass es ein super Erlebnis war und ich ein solches Final noch in keinem anderen Cache gesehen und mit allen Sinnen erlebt habe, kann man mit ruhigem Gewissen bekannt geben. Die Verarbeitung und die Detailverliebtheit auch in technischer Hinsicht war sehr beeindruckend und sucht in der Geocachingwelt seines gleichen. Auch verstehe ich nun, nachdem wir diesen Cache besucht haben, warum dieser Cache nur einmal am Tag gespielt werden soll. Es wäre bei diesem Erlebnis fatal unter Zeitdruck zu stehen. Dieser Cache musste genossen werden! Ich hoffe wirklich sehr, dass noch viele Geocacher diesen Ausnahmecache spielen dürfen.

Aber ich will gar nicht lange herumschwafeln, das wirklich interessante kommt jetzt.


Das Interview:

Die Blümchen:
Habt ihr beim Bauen des Caches 2017 mit solch einem Erfolg gerechnet?

DiePastorentöchter:
Nein, auf keinen Fall. Wir haben einfach mal los gebastelt und Anfangs waren wir nicht mal sicher, ob das überhaupt jemandem gefällt. Auch hatten wir beim Start des Caches nur einen eingeschränkten Kalender, bei dem waren nur 100 Einträge frei und dann war Schluss. Erst dachten wir, das ist völlig ausreichend. Doch wir merkten schnell das wir an Grenzen stoßen. Das nahm schnell wüsste Züge an, da gab es Cacher, die sich kleine Tools geschrieben haben, um sich gleich bei der nächsten Möglichkeit zur Eintragung, einen Eintrag zu sichern. Es dauerte also nicht lange, da war das wie eine Lawine.

 

Die Blümchen
Wie seid ihr zu dieser Lokation gekommen?

DiePastorentöchter:
Das war in erster Linie Glück, wir arbeiten fast alle für den Grundstücksbesitzer, die Katholisch Kirche im Bisstum Osnabrück, daher auch unser Name "DiePastorentöchter" und damit hatten wir die Gelegenheit dieses Gebäude für die Nutzung zu bekommen. Das Gebäude lässt sich in diesem Zustand nicht vermieten und abreißen darf man es auch nicht. Es war früher eine alte Hauswirtschaftsschule und wurde auch als Internat für die Schüler genutzt. Das sieht man teilweise noch an den Türen. Heute gibt es hierfür kein Nutzungskonzept. Das war unsere Gelegenheit mal nachzufragen und es hat funktioniert. Dafür schauen wir, dass alles in möglichst gutem Zustand bleibt und kümmern uns um das Gelände. Für einen symbolischen Mietpreis dürfen wir es nutzen.

Die Blümchen
Wie lange war die Bauphase von der Genehmigung der Nutzung bis zum publish des Caches?

DiePastorentöchter:
Wir haben 13 Monate an diesem Cache gebaut.
Während der Bauphase haben sich viele Dinge entwickelt und es sind uns immer neue Ideen eingefallen, das dauert eben und geht nicht in ein paar Wochen. Monatelang haben wir jeden Sperrmüllhaufen mitgenommen. Aber man muss sich dann auch selbst bremsen, sonst nimmt das kein Ende. Sorgfalt und Sicherheit waren auch beim Bau wichtig, du musst auch damit rechnen, dass ein Cacher seine Zunge in eine Lampenfassung steckt.

 

Die Blümchen:
Wie lange wird der Kalender wohl noch geschlossen sein und nimmt die Nachfrage nach fast drei Jahren ab?

DiePastorentöchter:
Wir sind keine Hellseher und wissen nicht wie es langfristig mit diesem Objekt weiter geht. Vier Jahre sind eine lange Zeit und du weißt ja nicht wie sich das weiter entwickelt. Also wird der Kalender auch erst mal weiter geschlossen bleiben. Es gibt immer wieder Tauschanfragen auf sozialen Plattformen, von denen wir hören und was schade ist, durchschnittlich verfällt ein Termin im Monat wo keiner kommt. Da kannst du als Owner aber nichts machen. Auf E-Mails wegen Terminen antworten wir grundsätzlich nicht mehr, das würde kein Ende nehmen und wir können ja auch nichts an der Situation ändern.

 

Die Blümchen:
Ihr schreibt auf eurer Listingseite von Betrugsversuchen zum Erlangen von Terminen, was kann man sich darunter Vorstellen?

DiePastorentöchter:
Als das erstmals aufgefallen ist, gab es ein Pärchen, welches einen Termin gebucht hat. Von einem Teil kam der Name vom anderen die Mailadresse und dann haben sie sich getrennt und jeder wollte seine Kumpels mit zum Cache nehmen. Da wurde angefragt, ob man die Mailadresse ändern könne und der andere fragte dann warum man das macht. Da kannst du als Owner nur verlieren. Auch deshalb ändern wir nichts mehr. Diese Möglichkeit kann man über den Link in der ersten Bestätigungsmail nutzen.

 

Die Blümchen:
Wie sind eure Erfahrungen mit Beschädigungen durch Cacher?

Da passiert nicht viel und wenn, dann hat man ganz schnell eine Mail, in der sich entschuldigt wird. Da findet man auch einen Obolus in der Spendendose. Außerdem haben wir Kameras die auch funktionieren, das hilft!
In einem Fall konnte man sehen, wie ein Cacher sich ein Deko Teil unter den Arm geklemmt hat und ihn die anderen dann auf die Kameras hingewiesen haben. Da stand das Teil ganz schnell wieder an seinem Platz.

Die Blümchen:
Wie viele Anfragen per Mail erhaltet ihr?

DiePastorentöchter:
Das sind nicht mehr viele, die meisten melden sich um 06:15 Uhr und schreiben, sie hätten keine Mail mit Code bekommen. Um 7:45 Uhr wurde diese dann im Spamordner gefunden.

Die Blümchen:
Wie reagieren die Cacher außerhalb der Logs auf euch als Owner? (Promistatus) und bekommt ihr das überhaupt mit?

DiePastorentöchter:
Ach das hält sich in Grenzen, sicher gibt es da welche, die auf Events hören, dass wir DiePastorentöchter sind und dann ein Hauch von oh und ah zu hören ist aber deshalb treten wir ja auch unter unseren normalen Cachernamen auf. Wir haben ja nicht überall DiePastorentöchter darauf stehen. Da hättest du auch ständig Terminanfragen und könntest nicht mehr das Event genießen.

Die Blümchen:
Gibt es auch außergewöhnliches Feedback, sowohl positiv als auch negativ? Habt ihr hierfür vielleicht Beispiele?

DiePastorentöchter:
Da muss man nur mal die Logeinträge lesen.
Es gibt spürbar positive Reaktionen und darüber freuen wir uns. Negatives Feedback haben wir noch nicht bekommen.

 

Die Blümchen:
Ist die Erwartungshaltung der Geocacher bei eurem Cache spürbar anders als bei "normalen" Dosen.

DiePastorentöchter:
Wichtig ist, dass über den Cache nicht so viel vorher bekannt wird um die Erwartungshaltung nicht zu hochzuschrauben. Natürlich können wir nicht verhindern, dass über den Cache geredet wird aber wir schauen schon zu, dass keine Bilder oder Videoaufnahmen ohne unsere Genehmigung im Netz auftauchen und auch die Logs werden von uns gelesen. Wenn da was auffällt, wird derjenige der das veröffentlicht hat von uns auch angezählt. Das ist auch schon vorgekommen.
Im Listing steht, dass wir das nicht möchten und wir befinden uns hier schließlich auf einem Privatgelände und können das auch untersagen.

 

Die Blümchen:

Ihr habt ganz deutlich im Listing des Caches die kommerzielle Nutzung untersagt, gibt es hierfür besondere Gründe?

 

DiePastorentöchter:

Wir wollen z. B. nicht, dass jemand Termine auf Auktionsplattformen verkauft. Wenn wir das sehen, werden solche Termine gelöscht.

 

Die Blümchen:

Könntet ihr euch vorstellen, so wie ein anderer Owner, Eintritt für euren Cache zu nehmen, in Anbetracht des riesigen Erfolges könnte man ja darüber nachdenken?

 

DiePastorentöchter:

Nein, im Leben nicht! Unser Cache wird niemals Geld kosten. Wer möchte, kann gerne im Final etwas spenden, darüber freuen wir uns sehr, aber das ist absolut freiwillig und dazu muss man auch nichts sagen. Wir verkaufen auch keine Coins oder Merchandiseartikel. Ein guter Cache braucht keine zusätzliche Werbung.

 

Die Blümchen:

Was hat euer Cache gekostet?

 

DiePastorentöchter:

Dazu sagen wir nichts. Ihr habt ja gesehen, was hier verbaut ist, bildet euch eure eigene Meinung. Wir können aber sagen, dass es sich durch die Spenden refinanziert.

 

Was denkt ihr, ist es ein Trend das die Kommerzialisierung immer weiter Einzug ins Hobby hält?

 

DiePastorentöchter:

Nein, die Owner die wir noch kennen und mit denen wir im Kontakt stehen, haben einfach Spaß am Bauen und genießen die Community,

das ist Belohnung genug.

 

Die Blümchen:

Was macht das Hobby Geocaching für euch aus?

 

Die Pastorentöchter:

Wir gehen ganz normal und bei Gelegenheit Cachen, treffen uns auch auf Events und haben hierdurch neue Freunde gewonnen. Wenn wir in Deutschland unterwegs sind, haben wir jede Minute Freizeit damit verplant, befreundete Cacher zu besuchen und man trifft sich und freut sich darüber.


PS: 

Es war ein unfassbar abenteuerreicher Tag und das nicht nur wegen des Caches.

Der Zeitpunkt des Interviews wurde zum Teil auch von der Polizei bestimmt, die wärend unseres Besuches an die Haustüre der Lokation geklopft hatte. Der Polizeibeamte warnte uns vor einem Bombenfund auf dem nahen Feld und bat uns, aus Sicherheitsgründen eine Weile im Haus zu bleiben, bis der Kampfmittelräumdienst diese gesprengt hätte. Das war dann auch eine schöne Gelegenheit zu einer Tasse Kaffee und der Besichtigung des Aufenthalts- und Werkstattbereichs von DiePastorentöchter. Denn just in diesem Moment war auch ein Owner vor Ort. Wir sagen für dieses wirklich tolle Erlebnis und die Mühe, die hier in das Gesamtwerk investiert wurde an dieser Stelle ganz herzlich DANKE!

 

Ein besonderer Dank soll hier aber auch mal an SilkeundMichael gehen, die uns nicht nur gute Freunde sind sondern an diesem Tag auch eine sehr geniale Begleitung waren. Diese beiden sind imübrigen daran "Schuld", dass es uns in diesem Hobby überhaupt gibt, denn sie haben uns zum Cachen gebracht. Nun wisst ihr auch wo ihr euch beschweren müsst.😉


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Ein kleiner Tourtipp noch am Schluß für alle, die aus Richtung Süden kommen und noch einen schönen Cache nebst genialer und qualitativ hochwertiger Burgerbude zur Nahrungsaufnahme suchen:

 

Wir sind noch mal zum Cache GC7F8X4 gefahren. Dieser liegt fast direkt an der A1 in Unna und nicht weit entfernt ist die American Burger Lounge, wo man hervorragende Burger und eine wirklich nette Bedienung findet. Hier werden wir auch auf jeden Fall nochmal einkehren, wenn wir in in der Nähe sind!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    TB (Freitag, 14 Februar 2020 15:55)

    Schon wieder ein Loblied auf einen Cache, der keiner ist, sondern ein Escape Room. 4 Jahre ausgebucht. Ist das überhaupt mit den Regeln von Groundspeak vereinbar?

  • #2

    Ally (Freitag, 14 Februar 2020 16:10)

    An solchen Ownern sollte sich ein gewisser Herr St. aus B. ein Beispiel nehmen!

    Danke für den schönen Bericht und das Interview :-)

  • #3

    ein Cach0r (Freitag, 14 Februar 2020 23:49)

    @TB natürlich ist das ein Cache, was denn sonst?

    Und wer sagt denn, dass ein Cache 24/7 ständig machbar oder verfügbar sein muss?

  • #4

    Gerwin (Montag, 17 Februar 2020 12:14)

    Und der Final wird alles mit dem einen 9V Block betrieben!