Barrierefreies Geocachen

Nicht für jeden ist Geocachen unter Gleichgesinnten einfach und ohne Probleme zu jeder Zeit machbar. In der Community der Geocacher gibt es Menschen, die mir persönlich erstmals im Hüttendorf des Maije und dann nochmals später auf dem Megaevent in Kassel aufgefallen sind.

Auch fallen diese Geocacher ab und zu in diversen Facebookgruppen auf, und zwar wegen fehlerhafter Rechtschreibung. Ich rede jetzt nicht von Bloggern wie uns, bei denen dies auch ab und an der Fall ist, sondern von Menschen, die sich vorwiegend mit der Deutschen Gebärdensprache verständigen. Für sie ist unsere Lautsprache gar nicht oder die deutsche Rechtschreibung oft nur als Fremdsprache zu begreifen.

Viele hörende Geocacher vergessen oft, dass es Menschen gibt, die eben nichts hören. Auch stoßen Gehörlose dann oft auf Probleme und nicht immer sind Antworten auf Fragen sehr freundlich formuliert.

In Kassel ist mir zum wiederholten male Zoe aufgefallen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrer Tätigkeit als Dolmetscher, eine Brücke von Hörenden und ihren kulturellen Aktivitäten, zu Gehörlosen schlagen und auch ihnen diese Ereignisse erlebbar und verständlich zu machen. Sie als Gebärdensprachdolmetscherin sorgt dafür, dass auch Gehörlose "die Welt" der Hörenden erleben können und auf der Seite von ZweiSchuhFilm macht sie auch noch Musiktitel für Gehörlose erlebbar.
Alleine dies ist schon eine tolle Leistung, wie wir finden.

Solche Leistungen verschwinden leider aber all zu oft völlig aus dem Bewusstsein der Hörenden. Man ist ja schließlich nicht betroffen. Wir wollten jedenfalls mehr über ihre Arbeit und über die Probleme von Gehörlosen wissen und haben sie einfach angesprochen. Der erste Hinweis von Zoe war: "Rede doch bitte mit den Gehörlosen selbst und nicht mit mir als Hörende über Gehörlose."

Hier habe ich direkt festgestellt, dass das oft schon das erste Problem ist. Man sollte immer zuerst mit den betroffenen selbst reden statt mit anderen über sie. Überhaupt habe ich in der Zeit, in der ich mich als Blogger mit diesem Thema beschäftigt habe, sehr viel über mich selbst gelernt und auch immer wieder versucht mich selbst zu hinterfragen. Wie gehe ich mit Menschen um oder wie würde ich mich verhalten?

Ich habe Zoe einige Fragen zukommen lassen und sie hat diese Fragen dann der Gehörlosencommunity übersetzt.

Einige Antworten haben wir erhalten und wollen sie nun auch euch allen zur Verfügung stellen.

Wir haben dies auch gemacht, um die Geocacher da draußen ein wenig dazu zu bewegen, etwas über den Tellerrand zu schauen. Etwas mehr "wir" statt immer nur "ich" tut uns allen bestimmt gut.

Hier also ein paar Fragen und die Antworten, die wir erhalten haben:

 

Die Blümchen:
Was schätzt ihr, wie viele gehörlose Geocacher gibt es in Deutschland?

In Deutschland sind es ca. 300 gehörlose Geocacher, ist aber nur eine Schätzung, wie viele es genau sind, ist schwierig zu sagen.

 

Die Blümchen:
Was sind die häufigsten Probleme, die für gehörlose beim Cachen und im Umgang mit der Community auftreten?

Beim Geochcachen treten Probleme auf, wenn der Geocache etwas mit Tönen, Stimmen oder Musik zu tun hat. Gehörlose können ja nicht hören und wenn die Beschreibung des Caches (Listing) zu kompliziert geschrieben ist, verstehen wir es nicht.

Die Blümchen:
Denkt ihr, dass viele Cacher z. B. im Netz, auf Facebook oder in anderen sozialen Netzen gar nicht realisieren, dass ihr gehörlos seid und sie sich vielleicht nicht vorstellen können vor welchen Problemen ihr steht?

Der Vorteil von Hörenden ist, dass sie sich austauschen können, aber Gehörlose haben mit dem Schreiben Probleme, das macht es komplizierter. Bei Gehörlosen ist die schriftliche Kommunikation etwas schwieriger. Einige Gehörlose verstehen geschriebene Texte so, andere wiederum anders. Das ist aber von den einzelnen Gehörlosen abhängig und wie gut deren Deutschkompetenz ist.

Anmerkung von Zoe: Gebärdensprache besitzt keine Schrift, daher muss man die deutsche Schriftsprache auch als Fremdsprache betrachten, weil sie - wie auch die Deutsche Lautsprache - einer anderen Grammatikregel folgt als die Deutsche Gebärdensprache.

Die Blümchen:
Was können hörende Cacher tun, um Gehörlosen zu helfen oder um sie besser zu verstehen?

Untertitel bei Videos oder Texteinblendung bei Audioaufnahmen oder der Einsatz von Dolmetschern bei Geocaching-Events würde auf jeden Fall etwas zur Barrierefreiheit beitragen.

Anmerkung von Die Blümchen:
Auf der Seite von ZweiSchuhFilm ist das Dolmetschen von Musik gezeigt.

Die Blümchen:
Wenn Hörende mit Gehörlosen Kontakt aufnehmen - wie geht das am besten?

Wenn Hörende mit Gehörlosen in Kontakt treten erfolgt dies schriftlich. Also man schreibt etwas auf Papier oder man benutzt das Handy als Hilfsmittel. Das ist aber sehr mühsam. Da haben wir es doch lieber, wenn jemand da ist, mit dem man sich in Deutscher Gebärdensprache unterhalten kann.

Die Blümchen:
Was würdet ihr euch für die Zukunft beim Geocachen wünschen?

Für die Zukunft wäre auf jeden Fall die Barrierefreiheit wünschenswert. Also das Dolmetscher immer bei Events eingesetzt werden. Das bei Musikvideos Untertitel eingeblendet werden und das bei Audiodateien ein Text dazu vorhanden ist.

Die Blümchen:
Ich danke euch für eure Antworten und möchte nun auch noch etwas loswerden.


An dem Beispiel von Gehörlosen und meinen Recherchen zu diesem Thema sind mir verschiedene Dinge aufgefallen. Ich habe Eingangs ja schon erwähnt, dass ich mich selbst bei diesem Artikel einige Male, hinterfragt habe und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mich persönlich kaum mit den Problemen von Menschen mit Handicap beschäftige. Ich bin glücklicherweise ein gesunder Mensch und komme in meinem Alltag nur sehr sporadisch bis nie mit diesen Problemen in Berührung. Daher war für mich persönlich der Blick in diese Richtung und über den Tellerrand sehr aufschlussreich. Beim nächsten Event werde ich mir etwas Zeit nehmen um vielleicht mit Zoe zusammen (wenn sie möchte) einige Gehörlose Cacher persönlich interviewen, da die Beteiligung an diesem Interview sehr gering war. Vielleicht auch, weil sonst sehr oft nur über statt mit den Betroffenen geredet wurde. Dies ist aber nur meine persönliche Spekulation.


Ich habe jedenfalls festgestellt, dass es auch Menschen im Rollstuhl oder Menschen mit anderen Einschränkungen oder Handicaps gibt und diese Menschen genauso am Thema Geocachen interessiert sind wie Menschen ohne Handicap. Leider sehe ich aber auch, das diese Menschen häufig nicht in einer Traube von Mitcachern zu finden sind, sondern irgendwo eine eigene kleine Traube bilden.

Auch sehe ich Menschen wie Zoe nicht wirklich auf vielen Events und ich kann nicht sagen, ob es daran liegt, dass ich sie nur nicht wahrnehme oder ob sie wirklich häufig schlicht fehlen. Ich möchte mit diesem Beitrag jedenfalls auf zwei Dinge aufmerksam machen.

Zum einen sind es die vielen Cacher, die mit einem Handicap unser Hobby betreiben und für die es genauso ein großer Spaß ist, wie für alle anderen Cacher. Viele Hürden müssen nicht sein und mit etwas Hilfe, Verständnis und Unterstützung können sie ganz genauso Spaß am Cachen haben wie Menschen ohne Handicap. Wir sollten bei Menschen mit deutlichen Rechtschreibfehlern vielleicht nicht direkt vermuten, dass hier jemand zu doof ist und dementsprechend Antworten, sondern auch in Betracht ziehen, dass es einen Grund für diese Fehler gibt. Auch in den sogenannten Spoilergruppen gibt es Menschen, die um Hilfe bitten. Vielleicht nicht nur um möglichst schnell an Lösungen zu kommen, sondern weil es vielleicht der einzige Weg ist, den sie haben um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vielleicht ist auch dies Mal eine Betrachtung, die einen Owner etwas großzügiger mit seinen Informationen zu Cachelösungen umgehen lässt und nicht gleich jeden Spoiler verteufelt.

Zum anderen möchte ich hier auf Menschen wie Zoe aufmerksam machen, die mit ihrer tollen Arbeit für Menschen mit Handicap da sind. Sie können die Verbindung herstellen und zum besseren miteinander beitragen. Wir alle müssen nur den Blick über den Tellerrand wagen und etwas Interesse zeigen. Dan werden wir häufig sehr positiv überrascht.

Danke Zoe, dass Du diesen Job übernommdn hast und danke auch für deine Hilfe und Mühe bei diesem Artikel.

Happy Caching die Blümchen

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Sandra (Dienstag, 04 September 2018 22:57)

    Danke für den tollen Bericht über Zoe.
    Sie hat bei unserem Mega wirklich einen klasse Job gemacht und wir sind froh, sie dabei gehabt zu haben.

    Eine kleine Anmerkung sei erlaubt. Du schreibst, du seist Gott sei Dank “gesund“. Das impliziert, dass Menschen mit Einschränkungen im Gegensatz dazu “krank“ sind. Sind sie aber nicht. Sie haben eine Einschränkung, aber keine Krankheit.
    Hier solltest du zukünftig noch etwas sensibler formulieren.

    Viele Grüße, Sandra

  • #2

    Die Blümchen (Dienstag, 04 September 2018 23:37)

    Liebe Sandra,

    danke für deinen Kommentar und dein Interesse.

    Ich habe bei meiner Aussage: "Ich bin glücklicherweise ein gesunder Mensch und komme in meinem Alltag nur sehr sporadisch bis nie mit diesen Problemen in Berührung."

    Lediglich feststellen wollen, dass ich ohne ein Handicap auf die Welt gekommen bin und ich mir auch bis jetzt nicht wirklich Gedanken über Probleme machen musste, die Menschen mit Handicap im Alltag zuweilen haben.

    Auch können Handicaps durch eine Krankheit oder einen Unfall hervorgerufen werden. Dies blieb mir bis heute jedoch erspart. Ein reiner Glücksfall für mich!

    Mit Nichten wollte ich durch diese Aussage irgendetwas implizieren und ich hoffe dies mit dieser Erklärung klargestellt zu haben.

    Viele Grüße Sascha